Das Elbhochwasser 1926- eines der schwersten der letzten 100 Jahre!

Im Sommer des Jahres 1926 wurde Roßlau von einem der schwersten Elbhochwasser des 20. Jahrhunderts heimgesucht. Was zunächst wie ein gewöhnliches Frühjahrshochwasser erschien, entwickelte sich innerhalb weniger Tage zu einer wochenlangen Naturkatastrophe, die Landwirtschaft, Schifffahrt und das gesamte öffentliche Leben nachhaltig beeinträchtigte.

Bemerkenswert ist, dass der Falkenberger Pastor Joachim Andreas Knaake die Gefahr bereits in seinem Wetterkalender von 1926 vorausgesehen hatte. Er warnte die Besitzer der Elbwiesen davor, mit der Heuernte zu lange zu warten, da nach dem Neumond mit Hochwasser zu rechnen sei und das Gras durch Schlamm unbrauchbar werden könnte. Seine Warnung wurde zunächst kaum ernst genommen. Noch am 6. Juni berichtete die Roßlauer Zeitung, dass Gerüchte über ein bevorstehendes Hochwasser unbegründet seien und für die Elbwiesen keine Gefahr bestehe. Nur zwei Tage später zeigte sich jedoch, wie trügerisch diese Einschätzung gewesen war. Auch andere Zeitungen berichteten später von den weisen Voraussagen des Pastor Knaake.

(Foto und Text: Privatbesitz von Ilse Zelle, der Enkelin des Pastor Knaake. Frau Zelle schreibt momentan an ihrem nächsten Buch und zwar über das Wirken und Schaffen ihres Großvaters. Den Text haben wir dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt bekommen. Er erklärt sehr gut woher Pastor Knaake sein damaliges Wetterwissen bezog – Bild erstellt mit ChatGPT am 12.08.2026) 

Sintflutartige Regenfälle und schwere Gewitter in Böhmen, Sachsen und dem gesamten Elbeinzugsgebiet ließen die Elbe rasant anschwellen. Bereits am 8. Juni standen die ersten Elbwiesen unter Wasser. Das frisch gemähte Heu musste in aller Eile geborgen werden, doch vielerorts wurde es durch Regen und Schlamm unbrauchbar. Die Schifffahrt wurde erheblich behindert, Arbeiten an den Buhnen der Elbbrücke mussten eingestellt werden und selbst wichtige Bauvorhaben, wie die Kanalisierung des Hainichtgrabens, konnten nicht begonnen werden. Vertreter des Anhaltischen Staatsministeriums reisten bereits am 8. Juni nach Roßlau, um sich ein Bild von den ersten Schäden zu machen.

In den folgenden Tagen stieg der Wasserstand der Elbe nahezu täglich. Die Elbwiesen verwandelten sich in eine riesige Wasserlandschaft. Werder, Oberlug und Unterlug wurden vollständig überflutet. Am 11. Juni erreichte die Elbe bereits einen Pegel von 4,16 Metern, ehe das Wasser zunächst langsam zurückging. Die Erleichterung währte jedoch nur kurz. Bereits wenige Tage später kündigte sich eine zweite, deutlich stärkere Hochwasserwelle an. Wieder bestätigte sich die Vorhersage Pastor Knaakes, was selbst die Roßlauer Zeitung anerkennend feststellte.

(Foto: Junkers Luftbild – Archiv D. Güth. – nachkoloriert mit ChatGPT am 09.08.2026) 

Diese zweite Flut übertraf alle bisherigen Erwartungen. Zwischen Dessau und Roßlau entstand ein riesiger See, die Strömung riss Heu, Holz und Schlamm mit sich und sammelte sich auch in den Straßen in die das Wasser gelangte. Die Hoffnung, wenigstens Teile der Ernte retten zu können, musste endgültig aufgegeben werden. Die Rosselgärten standen vollständig unter Wasser, Ackerflächen wurden vernichtet und ganze Wiesenbestände gingen verloren. Mit einem Höchststand von 4,87 Metern Ende Juni erreichte die Elbe einen Wasserstand, der sogar die bekannten Hochwasser von 1908/09 übertraf. Anders als die üblichen Frühjahrshochwasser, die den Wiesen oftmals sogar zugutekamen, brachte das Sommerhochwasser ausschließlich Verwüstung, da es mitten in die Erntezeit fiel.

(Foto: Junkers Luftbild – Archiv D. Güth. – nachkoloriert mit ChatGPT am 09.08.2026)

Die wirtschaftlichen Folgen waren enorm. Allein in Roßlau wurden 1.295 Morgen Wiesen vernichtet, deren Ertragswert auf etwa 100.000 Mark geschätzt wurde. Im gesamten Freistaat Anhalt waren rund 45.000 Morgen Land, darunter 31.000 Morgen fruchtbarer Acker- und Wiesenboden, vom Hochwasser betroffen. Rund 6.000 Stück Vieh litten unter akutem Futtermangel. Der Gesamtschaden wurde auf etwa vier Millionen Mark beziffert – eine gewaltige Summe für die damalige Zeit. Die Landesregierung reagierte mit Steuerstundungen, Hilfsprogrammen und Futterlieferungen. Außerdem wurden Kommissionen eingesetzt, die die Schäden vor Ort erfassten und über Pachterleichterungen entschieden.

(Foto: Junkers Luftbild – Archiv D. Güth. – nachkoloriert mit ChatGPT am 09.08.2026)

Doch nicht nur Landwirtschaft und Wirtschaft litten unter der Katastrophe. Zahlreiche Veranstaltungen mussten abgesagt oder eingeschränkt werden. Die Regatta des Mitteldeutschen Regattavereins fiel vollständig aus, Straßen waren überflutet und selbst während des traditionellen Schützenfestes bestimmten Regen, Gewitter und Hochwasser das Geschehen. Besonders tragisch war der Tod des 20-jährigen Eisenschiffbauers Erich Wecke, der an der Elbbrücke ins Hochwasser geriet und ertrank. Dieses Unglück machte deutlich, welche Gefahren selbst das scheinbar ruhiger werdende Wasser noch in sich barg.

(Foto: Junkers Luftbild – Archiv D. Güth. – nachkoloriert mit ChatGPT am 09.08.2026)

Als sich die Fluten schließlich langsam zurückzogen, offenbarte sich das ganze Ausmaß der Verwüstung. Auf den Wiesen lagen Schlamm, verendete Fische und Wildtiere. Ein starker Modergeruch breitete sich aus, begleitet von einer außergewöhnlichen Mückenplage. Die Zeitungen warnten eindringlich vor Gesundheitsgefahren durch Fäulnisbakterien und empfahlen besondere Vorsichtsmaßnahmen, um Krankheiten wie Typhus oder Cholera vorzubeugen. Auch für die Landwirtschaft begann nun eine neue Herausforderung: Die Böden mussten wieder nutzbar gemacht und die Viehhaltung trotz fehlender Futtermittel gesichert werden.

Erst Ende Juli normalisierte sich die Lage allmählich. Die Schifffahrt konnte wieder aufgenommen werden, Wege und Badeanstalten wurden freigegeben und die rote Warnflagge an der Elbbrücke verschwand. Die Folgen des Hochwassers waren jedoch noch lange spürbar. Schlamm und Heu von den Elbwiesen lag in den Straßen. Im Gemeindebericht des Jahres 1927 wurde festgehalten, dass Roßlau monatelang unter den Auswirkungen der Überschwemmungen gelitten hatte und umfangreiche staatliche Hilfen notwendig gewesen waren.

(Fantasiebild: erstellt mit ChatGPT am 10.08.2026)

Das Hochwasser von 1926 gilt bis heute als eines der prägendsten Naturereignisse der Roßlauer Stadtgeschichte. Es zeigte eindrucksvoll die Gewalt der Elbe, aber auch die Verwundbarkeit einer Stadt, deren Leben und Wirtschaft eng mit dem Fluss verbunden waren. Gleichzeitig machte es deutlich, wie wichtig funktionierende Hochwasserschutzmaßnahmen, frühzeitige Warnungen und gegenseitige Hilfe in Zeiten einer Naturkatastrophe sind.

(Fantasiebild: erstellt mit ChatGPT am 10.08.2026)

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