06.01.2026 Drei-Königs-Frühschoppen im Restaurant „Am Schlossgarten“

Am Dreikönigstag, dem 6. Januar, fand im Restaurant „Am Schlossgarten“ in Roßlau der traditionelle politische Drei-Königs-Frühschoppen statt. Trotz winterlicher Witterung mit Eis und Schnee folgten rund 40 Bürgerinnen und Bürger, politisch Engagierte sowie kommunale, landes- und bundespolitische Vertreter der Einladung. Bereits vor dem offiziellen Beginn war die Gaststätte gut gefüllt, um 11 Uhr gab es keine freien Plätze mehr. In entspannter Atmosphäre bei Bier, Wein und Tee stand der persönliche Austausch zwischen Politik und Bürgerschaft im Mittelpunkt.

Unter den anwesenden Politikern befanden sich Volker Scheurell (AfD, Bundestagsabgeordneter), Nadine Koppehel(AfD, Landtagsabgeordnete) Jörg Bernstein (FDP, Landtagsabgeordneter) und Holger Hövelmann (SPD, Landtagsabgeordneter), die jeweils kurze Redebeiträge hielten. Eröffnet wurde die Veranstaltung von Roßlaus Ortsbürgermeister Laurens Nothdurft (Bürgerliste RSL), der den Frühschoppen als bewusst ungezwungenes Format beschrieb, bei dem es darum gehe, miteinander ins Gespräch zu kommen, Fragen zu stellen, Kritik zu äußern und Anregungen mitzunehmen. Entscheidend sei, dass der Dialog nicht abreiße.

In seinem anschließenden Rückblick zog Nothdurft eine Bilanz seiner bisherigen Amtszeit. Er betonte die aus seiner Sicht sehr gute, parteiübergreifende Zusammenarbeit im Ortschaftsrat, unabhängig von politischen Differenzen. Diese Einschätzung wurde von anderen Ratsmitgliedern bestätigt.
Als Erfolge nannte er unter anderem das „Haus der Vereine“ sowie weitere umgesetzte Vorhaben in Roßlau.

Gleichzeitig machte er auf strukturelle Probleme aufmerksam: So stehe ihm bis heute kein reguläres Ortsbürgermeisterzimmer im Rathaus zur Verfügung. Stattdessen könne er lediglich eine kleine Räumlichkeit während der Öffnungszeiten nutzen, was insbesondere für einen berufstätigen Kommunalpolitiker die Bürgerarbeit erheblich erschwere. Deutlich emotional reagierte darauf der ehemalige Oberbürgermeister von Dessau-Roßlau und Ortschaftsratsmitglied Klemens Koschig. Er kritisierte die Stadtverwaltung scharf und forderte, dem amtierenden Ortsbürgermeister die bisher genutzten Amtsräume im Roßlauer Rathaus wieder zur Verfügung zu stellen. Die Begründung einer anderweitigen Nutzung sei nicht nachvollziehbar. Symbolisch verwies Koschig auf die Axt im Mauerwerk neben dem Bürgermeisterfenster, die an die friedliche Revolution von 1989 erinnern und mahnen solle, dass Verwaltung dem Bürger als Souverän verpflichtet sei. Seine Ausführungen wurden mit großem Beifall aufgenommen.

Im weiteren Verlauf informierte Koschig über mehrere historische Jubiläen der Doppelstadt Dessau-Roßlau. So jähre sich die Gründung der Lufthansa im Jahr 2026 zum 100. Mal, entstanden aus der Fusion von Junkers und der Deutschen Aero Lloyd. Ebenfalls 200 Jahre zurück liege dann der Brand des alten Brauhauses, das noch im selben Jahr wieder aufgebaut worden sei – ein Seitenhieb auf heutige Bau- und Genehmigungszeiten. Zudem erinnerte er an den 400. Jahrestag der Schlacht an der Elbbrücke während des Dreißigjährigen Krieges, zu dem bereits eine große Sonderausstellung zum 25.04.2026 geplant sei. Weiterhin soll es ein Fachbuch zum 400. Jahrestag der „Schlacht an der Elbbrücke“ erscheinen und pünktlich zum Jahrestag käuflich erhältlich sein.

Auch aktuelle kommunale Sorgen fanden Raum. Ein Bürger wies auf den Zustand des Stadtwäldchens Biethe hin, das früher gepflegt gewesen sei, inzwischen aber durch herumliegendes Eichenholz nicht nur ungepflegt wirke, sondern auch ein erhebliches Brandrisiko darstelle. Gerade mit Blick auf zunehmend heiße Sommer sei die Gefahr eines Waldbrandes nicht zu unterschätzen. Sein Vorschlag, das Holz durch Bürger mit Holzsammelscheinen entfernen zu lassen, sei vom zuständigen Förster jedoch abgelehnt worden.

Ein wiederkehrendes Thema war zudem die als übermäßig empfundene Bürokratie. Innungsobermeister Lothar Bebber schilderte die aus seiner Sicht absurden Schwierigkeiten bei der Zollabwicklung einer Schenkung aus der Schweiz für das Technikmuseum „Hugo Junkers“. Seine Schilderungen sorgten für Gelächter, machten aber zugleich deutlich, wie hemmend Verwaltungsauflagen wirken können.

Die Diskussionsrunde wurde kurz musikalisch durch den traditionellen Besuch der Sternsinger unterbrochen. Pfarrer Neuhaus von der katholischen Gemeinde begleitete die Sternsinger und es wurde unter den anwesenden für das diesjähriger Projekt gesammelt „Sternsingen gegen Kinderarbeit- Schule statt Fabrik“

Kontrovers diskutiert wurde der Umgang mit Deutschlandflaggen im öffentlichen Raum. Bürger Marcus Geiger regte an, statt vieler kleiner Fahnen an Laternenmasten eine würdigere Lösung mit festen Fahnenmasten zu finden. Eine Nationalflagge sei ein Symbol, das Respekt und Sichtbarkeit verdiene. Der stellvertretende Ortsbürgermeister Jörn von der Heydt entgegnete, dass die vielen kleinen Flaggen auch als Ausdruck eines Bedürfnisses nach Anerkennung verstanden werden könnten, gerade weil nationale Symbole in Deutschland häufig kritisch betrachtet würden. Öffentliche Beflaggung sei daher ein positives Zeichen. Des weiteren sprach das ehemalige CDU-Mitglied von der Heydt die anwesenden Ex-Parteikollegen direkt an und mahnte konstruktive Lokalpolitik an. Man dürfe sich nicht durch politische Brandmauern selbst blockieren.

Besonders nachdenklich stimmten die Ausführungen von Mandy Münch, Erzieherin und Mitinitiatorin von „Buntes Roßlau“. Sie verwies auf aktuelle Berichte, wonach in Dessau-Roßlau bis zu 54 Prozent der Kita-Kinder Entwicklungsverzögerungen aufwiesen. Dies sei ein alarmierender Zustand, der schnelles Handeln erfordere. Neben einer besseren Förderung der Kinder forderte sie auch deutlich mehr Unterstützung und Entlastung für das pädagogische Personal.

Zum Abschluss wurde erneut die seit Jahrzehnten diskutierte Ortsumgehung Roßlau thematisiert. Die ehemalige Ortsbürgermeisterin Christa Müller (CDU) erinnerte daran, dass die Planungen bereits 1995 begonnen hätten, und äußerte die Hoffnung, dass wenigstens der derzeitige Fertigstellungstermin im Jahr 2035 eingehalten werde.

Insgesamt zeigte der Drei-Königs-Frühschoppen ein breites Spektrum kommunalpolitischer Themen, geprägt von offener Diskussion, Kritik an Verwaltungshürden, Sorge um Bildung und Infrastruktur sowie dem Wunsch nach mehr pragmatischer Zusammenarbeit zum Wohle Roßlaus.

Geben Sie einen Suchbegriff ein.